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Lymphödem

Es gibt primäre und sekundäre Lymphödeme. Bei den primären Lymphödemen handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung und beim sekundären Lymphödem um eine im Laufe des Lebens erworbene Schädigung des Lymphgefäßsystems.


Primäres Lymphödem

Die primären Lymphödeme sind zu 97% sporadisch (nicht erblich) und erklären sich dann als eine Fehlentwicklung des Lymphgefäßsystems in der Embryonalphase. (Abb. 1a+b) Diese Form wird nicht weitervererbt [19].

lymphoedem.jpg
Lymphödeme der Beine

links vor der Therapie
rechts nach der Therapie

linkes Bein: minus 8 Liter
rechtes Bein: minus 3,5 Liter


Die mit 3% seltenere hereditäre (erbliche) Form hat dagegen als Ursache einen genetischen Defekt und somit ein Vererbungsrisiko von 50%, wenn der Partner gesund ist [17]. Primäre Lymphödeme manifestieren sich meist in der Pubertät und können einseitig und beidseitig auftreten. Äußerlich sehen hereditäre und sporadische Formen gleich aus und sind deswegen nur durch die Anamnese zu unterscheiden. Primäre Lymphödeme treten mit einer Häufigkeit von 0,5 ‰ auf, so daß es in Deutschland ca. 40.000 primäre Lymphödeme geben dürfte [6]. Anatomische Ursachen sind überwiegend Hypoplasien des Lymphgefäßsystems mit Verschmälerung der Lymphgefäße oder Verminderung der Lymphgefäßanzahl. Seltener sind Lymphangiektasien, also Erweiterungen der Lymphgefäße mit Klappeninsuffizienz, oder primäre Lymphknotenfibrosen [17].


Sekundäres Lymphödem

Sekundäre Lymphödeme sind doppelt so häufig (80.000 in D) wie primäre Lymphödeme und entstehen meist als Folge einer Lymphknotenoperation und/oder Bestrahlung an den Extremitätenwurzeln wegen Krebserkrankung.

arm01.jpg
Lymphödem des Armes

Sek. mäßiggradiges Armlymphödem
nach brusterhaltender Therapie
mit Achselausräumung


arm02.jpg
Lymphödem des Armes

Sek. massives Armlymphödem
nach Ablatio und Achselausräumung

 
Seltenere Ursachen sind schwere Traumen mit Zerreissung von großen Lymphbahnen, chronisch rezidivierende Entzündungen von Lymphbahnen und Lymphknoten, und in den Tropen parasitäre Erkrankungen des Lymphsystems durch Würmer (Filarien).
Das maligne Lymphödem [7] ist ebenfalls ein sekundäres Lymphödem, bei dem jedoch eine Tumorprogredienz, durch Wachstum des Tumors selbst oder aber seiner Metastasen, zu der Verlegung der Lymphbahnen führt. Es wird von den normalen sekundären Lymphödemen differenziert, weil es charakteristische Zeichen bietet und auch einer anderen initialen Therapie bedarf.

Grundsätzlich sind Lymphödeme von normaler Hautfarbe und meist klinisch leicht zu diagnostizieren. Bei Differenzierungsschwierigkeiten gegenüber anderen Ödemen ist die Lymphszintigraphie die aussagekräftigste und risikoärmste Untersuchung, da sie nur beim Lymphödem einen verzögerten Lymphabtransport ergibt.
Das Lymphödem ist ein sehr eiweißreiches Ödem, weil die ins Interstitium austretenden Eiweiße lymphpflichtig sind. Da diese nicht ausreichend abtransportiert werden können, verbleiben sie im Interstitium und werden von Fibrozyten zu Bindegewebe organisiert. Die dadurch entstehenden ungefährlichen Eiweißfibrosen sind typisch für Lymphödeme und treten nur bei diesen auf.

Das artifizielle Lymphödem durch Selbstabschnürung ist entweder durch eine psychische Erkrankung bedingt oder aufgrund eines Rentenbegehrens. Beim Abschnürungsödem werden Lymphgefäße und Venen stranguliert, wobei die Lymphostase bei leichterem Druck und die Phlebostase bei sehr starkem Kompressionsdruck überwiegt. Dies erklärt auch die unterschiedlichen Hautverfärbungen bei diesem Krankheitsbild, da bei Überwiegen der Lymphostase durch nur schwachen Abschnürungsdruck eine normale Hautfarbe resultiert, wogegen infolge sehr kräftiger Strangulation mit Abschnürung auch der tiefen Venen eine Blauverfärbung imponiert. Die Erkennung dieses Ödems ist in der Regel schwierig, weil der Patient die Selbstschädigung zu verbergen versucht. Richtungsweisend sind die Persönlichkeitsstruktur und oft auch der scharfrandige abrupte Ödembeginn. Bei einer Abschnürungsdauer von bis zu 2 Jahren sind die Ödeme in der Regel reversibel. Danach entsteht ein bleibendes sekundäres Lymphödem durch Vernarbungen der wichtigen oberflächlichen Lymphgefäße.